MZ vom 31.08.’12 „Hanka ist schon da“

Zeitungsartikel „Hanka ist schon da“

VON MICHAEL BERTRAM, 31.08.12, 20:43h, aktualisiert 31.08.12, 22:03h
in der Mitteldeutschen Zeitung, Lokales

Hanka Haschke räumt schonmal die Küchenschränke ein. (FOTO: PETER WÖLK)

MERSEBURG/MZ. „Ja, das war schon eine sehr intensive Zeit“, sagt Hanka Haschke während sie mit einem Löffel die Zuckerkristalle in ihrem Tee verrührt. Ihr Blick kreist in der nagelneuen Küche, in der die Möbel kreuz und quer stehen und die Schränke noch halbleer sind.

Erst seit wenigen Tagen hat die 21 Jahre alte Studentin hier in der historischen Dom-Apotheke in Merseburg ein neues Zuhause gefunden. Aber bereits im April fing der Umzug auf dem Reißbrett an. Denn in einem Seminar der Hochschule Merseburg hat die Studentin der Kultur- und Medienpädagogik zusammen mit ihren Kommilitonen ein Nutzungskonzept für das alte Gebäude entwickelt. Sechs Jahre hatte es zuletzt leer gestanden.

Den Studenten ging es darum, die Innenstadt Merseburgs zu beleben und die Studenten vom relativ autarken Campus auf der anderen Seite der B 91 in die Altstadt zu holen. „Diese fehlende Ausstrahlung der Hochschule in die Stadt hat mich schon länger beschäftigt“, erklärt die gebürtige Dresdnerin. „Es ist alles so gewachsen, der Hochschulkomplex ist ein Trabant um die Stadt drumherum.“ Haschke wollte Veränderung und wusste: „Wenn hier ein Raum für Studenten entsteht, dann willst du das anschieben und mitgestalten.“ Zur Gestaltung erklärte sich auch der Eigentümer des Hauses Hans-Jörg Täglich bereit. Er musste zuletzt mit ansehen, wie der Zahn der Zeit an dem alten Gemäuer nagte, in dem noch seine Eltern eine Apotheke betrieben. Täglich führte Gespräche mit der Stadt und mit Aleksandar Turuntas, dem Leiter des Hochschul-Seminars zum Thema Stadtkultur. Von dem neuen Konzept erhofft er sich jetzt auch eine Belebung des gesamten Straßenzugs in Richtung Dom.

Bereits vor einigen Jahren hatten die Studenten mit dem alten Bankhaus in der König-Heinrich-Straße neues Leben in die Stadt gebracht. Mit Erfolg. „Auch wenn das Konzept heute nicht mehr dem damaligen entspricht“, sagt Haschke.

Auch im Fall der Dom-Apotheke mit ihren zwei Etagen und zahlreichen Zimmern im Obergeschoss war bald klar, was entstehen soll: Wohnraum für Studenten im oberen Bereich und ebenerdig viel Platz für kulturelle Angebote. „Ich will eine Schnittstelle schaffen für Studenten und Bürger. Ich will, dass sich die Leute hier begegnen“, erklärt sie. Ein erstes Angebot soll es bereits am 10. November geben. Das studentische Projekt Bürgercampus will Lesungen veranstalten und das Haus in eine Literatur-Apotheke verwandeln.

Dessen Bewohner müssen für eines der Zimmer 250 bis maximal 300 Euro bezahlen. Laut Haschke gibt es bereits Interessenten, ein weiterer Bewohner wird wohl schon im Oktober in der Apotheke einziehen. „Hier sollen Leute einziehen, die aktiv und kreativ sind und die wollen“, sagt die Studentin, die im kommenden Semester passenderweise ein Praktikum beim Stadtentwicklungsamt Merseburgs absolvieren wird.

Aktive Bewohner kann das alte Haus tatsächlich gebrauchen, denn noch ist nicht alles perfekt. In den letzten Tagen vor Haschkes Einzug hat der Eigentümer höchstpersönlich vieles auf Vordermann gebracht, etwa Fußböden verlegt, einen Gasherd gekauft und alte Möbel zur Verfügung gestellt. Neue Bewohner müssten aber weiter mit Problemen klarkommen, die man in einer topsanierten Wohnung nicht hätte. „Ich selbst habe aber gerne etwas, das ich selber gestalten kann und das ist in einem Wohnheim natürlich schwierig“, erklärt die 21-Jährige.

Ihre größte Angst ist derzeit nicht etwa die Einsamkeit in dem 600 Quadratmeter großen Haus, sondern die Zukunft. „Wie die Kultur ,da unten‘ laufen wird, ist die spannende Frage“, sagt sie. „Ich glaube aber daran, dass sich hier etwas drehen lässt – sonst hätte ich das alles nicht gemacht.“

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