MZ vom 21.08.’12 „Neues Leben in alter Apotheke“

Zeitungsartikel „Neues Leben in alter Apotheke“

VON MICHAEL BERTRAM, 21.08.12, 20:37h, aktualisiert 21.08.12, 21:48h
Mitteldeutsche Zeitung und mz-web.de

Domstr.2 von außen

Schon in der nächsten Woche wird die leerstehende Merseburger Dom-Apotheke wieder dauerhaft genutzt, wenn die erste Studentin einzieht. (FOTO: P. WÖLK)

MERSEBURG/MZ. Sichtlich erleichtert lässt sich Hans-Jörg Täglich in einen der hellbraunen Sessel fallen. Mit einem zufriedenen Lächeln schweift sein Blick mehrmals durch das noch etwas verstaubte, aber in Arbeit befindliche Kaminzimmer. „Alle finden es so toll, weil hier drin die Zeit stehengeblieben ist“, sagt er und hält kurz inne. „Aber es muss doch auch endlich mal weitergehen.“ Täglich ist der Eigentümer der Merseburger Dom-Apotheke, die mit ihrer gelben Fassade von außen noch richtig was hermacht. Drinnen nagte bisher allerdings der Zahn der Zeit – die unzähligen Räume in beiden Etagen sind vom jahrelangen Leerstand gezeichnet.

Ein Projekt der Merseburger Hochschule soll dies bald ändern. Denn in einem Seminar haben Studenten der Kultur- und Medienpädagogik ein Wohn- und Kulturkonzept für das mehr als 470 Jahre alte Gebäude entwickelt. Gemeinsam mit den Studenten will Täglich die Pläne nun umsetzen. Sie könnten der gesamten Innenstadt neues Leben einhauchen.

Es klingelt an der Tür. In dem Haus herrscht schon spürbar reger Betrieb. Täglich springt aus dem Sessel und läuft nach unten. Es sind mal wieder Studenten, die Material vorbeibringen wollen. In den letzten Tagen sind sie hier häufiger ein und aus gegangen. Erst Ende Juli kamen sie in dem Haus zur gemeinsamen Staubwisch-Aktion zusammen. „Das was die Studenten leisten, geht weit über das Seminar hinaus“, betont dessen Leiter, Aleksandar Turuntas.

Gemeinsam mit den Studenten hat er das Konzept erarbeitet. Nach diesem sollen in der oberen Etage günstige WG-Zimmer entstehen. Im Erdgeschoss ist eine kulturelle Nutzung vorgesehen. Schon voraussichtlich in der nächsten Woche will mit Hanka Haschke die erste Studentin eines der sieben Zimmer beziehen. Eine neue Heizung hat Eigentümer Täglich installiert, das Dach schon längst repariert. Nur das Bad muss noch aus seinem Schönheitsschlaf geweckt werden, dann könnte auch schon der erste Umzugswagen anrücken. Haschke, die selbst an dem Haus-Konzept gearbeitet hat, hofft, schon bald weitere WG-Bewohner zu finden. „Es sollten Leute einziehen, die sich dabei einbringen, Kultur zu schaffen und nebenbei noch den Abwasch erledigen“, sagt die 21-Jährige, die eine WG nicht nur als Wohn-, sondern auch Lebensgemeinschaft versteht.

Leben ist auch Turuntas‘ Leitidee. Denn vom Projekt Dom-Apotheke erhofft sich der Dozent eine Belebung der Innenstadt, indem Studenten vom relativ autark existierenden Campus ins Zentrum geholt werden. „Mit der Apotheke ist die Chance groß, dass man sich einander annähert“, sagt er.

Innerhalb kürzester Zeit hat sich rund um die historische Adresse ein ganzes Netzwerk gesponnen. Eigentümer, Stadt und Hochschule stünden in regelmäßigem Kontakt. Und auch der Verein Bürgercampus ist mit einem eigenen Vorhaben mittlerweile in die Vermarktung der Idee involviert. Für den 10. November hat das Team rund um Anne Kettwig ein kulturelles Angebot auf die Beine gestellt. Eine Art Poetry Slam soll die ersten Besucher in das Haus locken. „Auch eine Lesung zu den Merseburger Gabelgeschichten ist geplant“, sagt Kettwig.

Eigentümer Täglich ist von dem frischen Wind im alten Gemäuer begeistert, hofft auf eine lange Nutzung. Immerhin hat er bis heute rund 750.000 Euro in dessen Erhalt investiert. „Etwas Nachhaltiges wie dieses Projekt habe ihm bisher aber immer gefehlt.“

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