MZ online vom 07.07.2013 „Boxenstopp beim Seifenkistenrennen“

Mitteldeutsche Zeitung / MZ online
Von TINA SAUER, 07.07.13, 20:48 Uhr
Das Seifenkistenrennen in Merseburg war spannend bis zur letzten Sekunde. Beim Kampf um den Pokal kam es sogar zu mehreren Unfällen entlang der Apothekerstraße.
MERSEBURG/MZ.Der Favorit stand schon von vorn herein fest. Windschnittig und schlank, eben wie ein richtiges kleines Rennauto präsentierte sich die Seifenkiste der Merseburger Kulturchaoten neben den aus Holz zusammengezimmerten Kisten. Da gab es nur ein Problem. Keiner der acht Vereinsmitglieder passte in das Fahrzeug rein. Als Fahrerin musste daher die 22-jährige Studentin Alexandra Denker herhalten. „Es ist sehr eng, aber es macht Spaß“, erzählte sie.Farblich passend zur dunkelblauen Seifenkiste hatte die 22-Jährige sogar ihre Kleidung „aufgemotzt.“ Mit blauen und weißen Klebestreifen auf der Hose fühlte sie sich bereit für ihr erstes Seifenkistenrennen. Und anscheinend hat sich die Arbeit auch gelohnt. Mit 14,53 Sekunden bei der Disziplin Abfahrt brauste sie die gut 150 Meter lange Apothekerstraße herunter und damit auf den ersten Platz. Wäre der gebastelte Blitzer am Rand der Rennstrecke echt gewesen, gäbe es jetzt sicher ein Knöllchen.

Studentin Alexandra Denker hat sichtlich Spaß in der Seifenkiste, während sie geschoben wird.  (BILD: Marco Junghans)

Familien- und kinderfreie Kisten

Am Samstag gingen sieben Teams in zwei Kategorien und zwei Disziplinen zum dritten Merseburger Seifenkistenrennen an den Start. Das Team der Kulturchaoten fuhr in einer „Kinderfreien Kiste“, in der alle Mitglieder älter als 18 Jahre sein mussten. Starker Gegner war das Team Merseburg mit dem Karnevals-Prinzenpaar Andreas Wuttke und Jacqueline Franke als Fahrer, das den zweiten Platz belegte.

In einer „Familienkiste“, in der mindestens ein Mitglied unter 14 Jahren sein musste, saß Landtagsabgeordneter Sebastian Striegel (Grüne) und holte bei der Disziplin „Schieben“ mit 16,37 Sekunden den ersten Platz.

Doch vor allem die Kinder hatten ihren Spaß an den bunten Fahrzeugen. In der Seifenkiste der Freiwilligen Feuerwehr Lochau saßen die jüngsten Mitglieder und holten in ihrer Kategorie „Familienkiste“ bei der Abfahrt sogar den ersten Platz und wirbelten mächtig Staub auf. Und zwar den Kreidestaub der aufgemalten Pfeile auf der Rennstrecke.

Merseburg vorn dabei

Insgesamt vier Pokale hatte Organisator Lutz Brückner zu vergeben und freute sich, dass die meisten davon in Merseburg blieben, nachdem sie im vergangenen Jahr größtenteils an ein Team aus Großgörschen gingen. Als Mitglied im Team Merseburg feuerte er vor allem seine gelbe Kiste an. „Wir lernen jeden Tag dazu und werden immer besser. Nur ein paar neue Schuhe könnten wir gebrauchen“, scherzte er. Die gemeinten Schuhe sind auf der „Motorhaube“ der Merseburger Seifenkiste festgenagelt und waren ein Geschenk von der Tochter von Bürgermeisterin Barbara Kaaden (parteilos). Sie seien mittlerweile schon etwas mitgenommen.

Allerdings blieb das nicht der einzige Schaden. Eine der zwei „Kinderkisten“ vom Verein zur sozialen und beruflichen Integration (VSBI), die vom Merseburger Lions-Club gespendet wurden, blieb nicht unfallfrei. Die feuerrote Seifenkiste krachte mit Schwung in die aus Reifen bestehende Absperrung, wodurch sich die beiden Vorderräder verabschiedeten. Schon zum zweiten Mal an diesem Tag wurde ein Boxenstop benötigt. „Eine unserer Seifenkisten ist auch schon kaputt gegangen“, erzählte Kinder- und Jugendbetreuer Rene Kügler vom „Team Bits“ aus Naumburg. Und das schon beim Probefahren. „Es ist schon wie im richtigen Rennsport hier. Das nächste Mal bringen wir Werkzeug mit.“

Doch schlussendlich zählte nur der Spaß am Fahren. Studentin Alexandra Denker war begeistert: „Das mache ich nächstes Jahr auf jeden Fall wieder.“

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